ULEE’S GOLD

„The bees and I have an understanding: I take care of them, and they take care of me.“

Ulee’s Gold ~ USA 1997
Directed By: Victor Nunez

Der knorrige Vietnam-Veteran Ulysses „Ulee“ Jackson (Peter Fonda) widmet einen Großteil seiner Leidenschaft seinem Beruf, der Imkerei. Der harte Job, dem er und seine Bienen in emsigen Schritten Jahr für Jahr nachgehen, produzieren den besonderen „Tupelo-Honig“, eine der edelsten Sorten überhaupt. Doch Ulee hat auch viele Probleme. Er ist Witwer, hat ein kaputtes Knie und einen lädierten Rücken, sein Sohn Jimmy (Tom Wood) sitzt wegen Raubüberfalls im Gefängnis, seine Schwiegertochter Helen (Christine Dunford) ist auf Droge und er hat seine beiden Enkeltöchter Casey (Jessica Biel) und Penny (Vanessa Zima) in Obhut. Als Helen bei Jimmys Kumpanen Eddie (Steven Flynn) und Ferris (Dewey Weber) in Orlando auftaucht, lässt sich Ulee überreden, sie dort abzuholen. Doch damit nicht genug: Eddie und Ferris haben von der völlig bedröhnten Helen erfahren, dass Jimmy noch eine beträchtliche Summe des gemeinsamen Raubzugs versteckt hält. Damit gerät die gesamte Familie in Gefahr…

Victor Nunez‘ unspektakuläre Charakterstudie ist ein typischer Spätneunziger-Indie; brav, solide, herzig, lebensfroh und ohne echte Gefahrenzonen. Vor allem darf man „Ulee’s Gold“ wohl als persönliches Geschenk an Peter Fonda werten, der in dem ihm auf den Leib geschriebenen Part zu glänzen weiß wie selten und die Rolle wohl auch als Reminszenz an seinen Vater gestaltet hat.
Leitmotivik und Symbolismus in „Ulee’s Gold“ gestalten sich dabei relativ simpel und luzid: Ulees Familie entspricht einem nicht ganz leicht zu händelnden Bienenvolk, das besonderer Betreuung und Pflege bedarf. Da sind die beiden Mädels, eine davon (Zima) im Grundschulalter und herzensgut, die andere (Biel) immerhin alt genug, um um ihre dysfunktionalen Familienverhältnisse zu wissen und bereits ähnlich rebellische Verhaltensweisen an den Tag zu legen wie ihre Eltern. Aus seiner Enttäuschung gegenüber dem kriminell gewordenen Filius macht Ulee, der an eherne Maximen wie Arbeitsamkeit, Selbständigkeit und Verantwortung glaubt, keinen Hehl, ebensowenig wie aus der zwischenzeitlichen Verlotterung seiner Schwiegertochter. Dennoch bekommt er mithile seiner neuen Nachbarin, der geschiedenen Krankenschwester Connie (Patricia Richardson), irgendwie alles wieder in rechte Bahnen gelenkt, auch wenn das einigen Stress mit den beiden Ganoven Eddie und Ferris bedeutet.
Nunez achtet dabei in seinem Script darauf, alles zum Guten zu wenden; unter Ulees straighter, patriarchalischer Führung wächst die Familie wieder zusammen und auch ihn selbst wird ein neues Glück mit der sympathischen Connie (bezeichnender Nachname: Hope) erwarten. Dass sich da schwere, eigentlich kaum lösbare Beziehungskonflikte, Sucht, Depression und Neurosen wie schlechten Träumen gleich kurzerhand und spurlos verflüchtigen, gehört zur Agenda des Films, der zwar von einer durchaus schönen und kontemplativen Gestaltung lebt, es sich andererseits aber auch allzu leicht macht, um seine Feel-Good-Zielgerade um jeden Preis zu erreichen. Familie ist eben doch etwas komplexer als ein Bienenvolk.

7/10

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