MAGGIE

„What is option three?“ – „Make it quick.“

Maggie ~ USA 2015
Directed By: Henry Hobson

Ein auf verseuchtem Getreide basierendes Zombievirus hat die USA überrannt. Mit Mühe und Not wird versucht, das System aufrechtzuerhalten und die Infizierten in Quarantänestätten zusammenzupferchen, wo sie eine Todesspritze erhalten. Maggie (Abigail Breslin), die Tochter des Farmers Wade Vogel (Arnold Schwarzenegger), ist von zu Hause ausgerissen und hat sich in Richtung Großstadt aus dem Staub gemacht. Wade findet sie nach ein paar Wochen im Krankenhaus, gebissen und infiziert. Maggie bleiben noch etwa acht Wochen, bevor sie sich selbst in einen kannibalistischen Wutbürger verwandeln wird – Zeit für Wade, von ihr Abschied zu nehmen und sich zu entscheiden, welches Ende er ihr angedeihen lassen soll: Die Quarantäne, eine selbst gesetzte Giftspritze oder den Schuss aus der Flinte. Doch für Wade, dessen zweite Frau Caroline (Joely Richardson), Maggies Stiefmutter, das Haus verlässt, als die Lage sich zuspitzt, ist und bleibt es undenkbar, seine Tochter zu töten und er zögert das Unvermeidliche hinaus, bis es fast zu spät ist.

Mit immerhin 68 Jahren ist es Zeit für Arnold Schwarzenegger, sich abseits von dem umzuschauen, was seine gesamte Karriere definiert: Der Körperbetontheit nämlich. In „Maggie“ spielt seine athletische Physis erstmals keine figurimmanente Rolle. Die sich unter Wade Vogels Kleidung abzeichnenden Muskeln könnten auch Resultate seiner unablässigen Holzhackerei sein, die ihn offenbar von unguten Gedanken ablenkt. Ansonsten ist er kein Mr. Universum. Tiefe Altersfurchen graben sich durch sein strohbärtiges Gesicht, das fettige Haar unsauber gescheitelt. Hätte Schwarzenegger seinem Hauspublikum diesen Film vor dreißig Jahren präsentiert, die Leute wären vermutlich scharenweise in Ohnmacht gefallen oder hätten sich laut protestierend absentiert. Ein tristes Zombie-Kammerspiel setzt er uns hier vor, in dem selbst die Apokalypse kaum mehr aufregend ist, weil die Welt sich ihrer ungeachtet einfach weiter dreht. Einzig um die Vater-Tochter-Beziehung geht es, zwischen dem, was sie ausmacht, emotional und auch als Relikt einer einstigen, sehr viel intensiveren Liebesbeziehung als der gegenwärtigen mit der Zweitfrau. Dafür wählt Debütant Henry Hobson die augenfälligsten Mittel: Monochrome, wackelnde Bilder und Close-Ups, entlang an den besorgten Gesichtsausdrücken der Beteiligten.
Wenngleich „Maggie“ gern einen neuen Subgenre-Ansatz repräsentierte, so vermag er dies erwartungsgemäß nicht. Die Zombie-Gattung hat ihre frühen Wurzeln, den ihr traditionell anhaftenden Schmuchelruch inbegriffen, längst hinter sich gelassen und sich zu einem großflächg akzeptierten Fach des Phantastischen entwickelt. „Maggie“ ist dafür lediglich ein weiterer Beleg, wenngleich ganz bestimmt kein enttäuschender. Der Regisseur untermalt die bleierne Traurigkeit des unausweichlichen Determinismus mit kunstvollen Formalia und ist natürlich vorrangig daran interessiert, das Rollenspektrum seines co-produzierenden Hauptdarsteller zu erweitern.
In dieser Hinsicht funktioniert der angenehm zurückhaltende, im positiv besetzten Sinne „kleine“ Film dann auch – nicht etwa als Innovationspool, sondern als probate Ergänzung etablierter Schemata.

7/10

3 Gedanken zu “MAGGIE

    1. Sehr gern – und danke dir für deine Rückmeldung 🙂
      Ich habe es mir im Laufe der Jahre abgewöhnt, Arnold als Schauspieler zu betrachten. Nimmt man seine Filmauftritte eher als facettenreiches Präsentationsgut einer wohlausgearbeiteten Kunstfigur wahr, kann man sie – so glaube ich – um Einiges unmittelbarer „genießen“.

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      1. So habe ich das zwar selber noch nicht betrachtet, aber es hört sich definitiv nicht verkehrt an. Trotzdem glaube ich, dass man bei Diesem Film hier Arnold wieder als Schauspieler betrachten könnte.. 🙂

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