G.I. JANE

„When I want your opinion, I’ll give it to you.“

G.I. Jane (Die Akte Jane) ~ USA 1997
Directed By: Ridley Scott

Die sich vordergründig als Feministin aufspielende Senatorin DeHaven (Anne Bancroft) sorgt dafür, dass probeweise ein weiblicher Anwärter die Grundausbildung der Navy SEALs teilnehmen darf. Die dafür perfekte Dame findet sich in der Militärkarrieristin Jordan O’Neil (Demi Moore), die schon lange die mangelnde Chancengleichheit beim Kommiss beklagt. Das unmenschliche Training vor Ort, weniger eine Ausbildung denn eine Tortur, die dazu dient, die Belastungsgrenzen der Aspiranten auszuloten, besteht Jordan im Gegensatz zu fast der Hälfte ihrer maskulinen Mitanwärter – trotz diverser zusätzlicher Despektierlichkeiten, die ihr in ihrer Rolle als Frau in die Bahn geworfen werden. Dann jedoch soll eine Intrige für den Abbruch ihrer Ausbildung sorgen. Doch auch diese umschifft Jordan und erweist sich zudem im Kampfeinsatz als hervorragende Soldatin.

Mit „G.I. Jane“ erreichte Ridley Scott, dessen beklagenswertes Changieren ich bereits im vorhergehenden Eintrag erwähnte, seinen bisherigen Tiefpunkt, vor allem in inhaltlich-ideologischer Hinsicht. Sein „G.I. Jane“ ist ein Hohelied auf Militarismus und Kampfesbereitschaft, eine unverhohlen rechtslastige, propagandistische Fanfare, wie sie vermutlich seit Eastwoods „Heartbreak Ridge“, von dem der vorliegende Film ein Quasi-Remake ist, der sich jedoch immerhin noch unter anderen periodischen Vorzeichen lesen lässt, im großbudgetierten Studiokino nicht mehr zu sehen war. „G.I. Jane“ stellt, anders als man vielleicht annehmen könnte, nicht etwa ein feministisches Statement dar und ist auch als Beitrag zur Gender-Debatte unerheblich. Er plädiert lediglich dafür, jedem und jeder, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe oder sonstige Individualmerkmalen, das Recht zuzugestehen, sich militärisch engagieren zu dürfen und sich von Amerikas Feinden den Hintern wegschießen zu lassen. Dass sich für die entsprechende Rolle ausgerechnet Demi Moore, deren Karrierepfade um diese Zeit ohnehin höchst verschlungene Wendungen nahmen (man denke nur an Andrew Bergmans seltsamen „Striptease“), zur Verfügung stellte, passt gewissermaßen ins Gesamtbild wie Arsch auf Eimer. Zwar betont „G.I. Jane“ vordergründig die Egalität der Geschlechter in Ausbildung und Einsatz, das hält die Kamera jedoch keineswegs davon ab, Jordan O’Neils schwitzige Workouts in eindeutig fetischisierter Weise einzufangen. Jene mehr denn zweifelhafte Szene, in der sie ihre öffentliche Kredibilität gegen den misogynen Schinder Urgayle (Viggo Mortensen) erringt, nachdem er sie zusammengeschlagen und fast vergewaltigt hat (was im späteren Verlauf unzweideutig für eine seltsam paraphile Anziehungskraft zwischen den beiden sorgt), besorgt den Rest. Tatsächlich ist Jordan O’Neil als fiktive Figur dieses überaus magerhirnigen Films auch am Ende, nachdem sie sich in jeder denkbaren Art und Weise „bewiesen“ hat, noch meilenweit davon entfernt, geschlechtsunabhängige Anerkennung zu finden, aber das ist dann auch egal. Böse Zungen würden dieses Gürkchen, ganz reaktionär, lapidar und stammtischjargonmäßig, vielleicht auch analog zur Protagonistin, als „Rambo mit Titten“ bezeichnen und hätten damit nicht einmal übergebührlich Unrecht. Ich hingegen, ganz der neutrale Eckensteher, begnüge mich mit einem salomonischen „unterdurchschnittlich“.

4/10

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