IO HO PAURA

Zitat entfällt.

Io Ho Paura (Ich habe Angst) ~ I 1977
Directed By: Damiano Damiani

Ludovico Graziano (Gian Maria Volontè) ist als Brigadiere der römischen Polizei tätig und als solcher zuständig für den Personenschutz von Justizbeamten, die sich von politischen Extremisten wie etwa den Roten Brigaden bedroht sehen. Als er gemeinsam mit dem einsamen, linientreuen Richter Cancedda (Erland Josephson) einer obskuren Spur um einen ermordeten Wachmann nachgeht, hinter der sich wesentlich Brisanteres verbirgt als es zunächst den Anschein hat, stößt Graziano in ein Wespennest aus Verschwörung und Korruption.

Großes Politkino von Damiano Damiani und nach seinem eher mediokren „Nessuno“-Nachzügler „Un Genio, Due Compari, Un Pollo“ ganz klar ein Schritt zurück zu alter Großform. Neben dem kostbaren, zeitverbundenen Element der Paranoia vor Linksterrorismus und der systemischen Durchsetzung von Sympathisanten und Verschwörern ist im Falle „Io Ho Paura“, dessen Titel in gleich mehrfacher Varianz wahrlich Bände spricht, vor allem die psychologische Vivisektion des Protagonisten von einiger Brillanz: Volontè präsentiert die Kehrseite der in diesen Jahren vom Genrekino stilisierten Superhelden-Cops, die jeder noch so brenzligen Bedrohung von Leib und Leben eher lustvoll denn tapfer entgentraten und die bösen Jungs mit polierten Knöcheln und gezückten Kanonen reihenweise in Kranken- und Leichenhäuser beförderten. Ludovico Graziano indes ist ein Mensch wie jeder andere, zwar mit einer besonderen Beobachtungsgabe gesegnet, aber doch eher kleinlaut, wenn er gewahr wird, dass er möglicherweise übers Ziel hinaus geschossen ist. Genau dies widerfährt ihm, als er versehentlich einer extremistischen Vereinigung in die Quere kommt. Da Graziano nach der Ermordung des Richters Cancedda niemanden mehr hat, dem er sich anzuvertrauen wüsste und proportional zu der verstreichenden Zeit und den eigenartigen Ereignissen um ihn herum auch seine Angst wächst, bald selbst aus dem Weg geräumt zu werden, greift er zu ungewohnten Mitteln. Ob deren Befleißigung ihn allerdings mittelfristig retten wird…?
„Io Ho Paura“ ist einer von Damianis hervorstechendsten und zugleich involvierendsten Filmen, ein zutiefst bedrückendes Meisterwerk um Isolation und universellen Vertrauensverlust.

9/10

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