DRAGGED ACROSS CONCRETE

„We have the skills and the right to acquire proper compensation.“

Dragged Across Concrete ~ USA/CA 2018
Directed By: S. Craig Zahler

Weil die beiden Police Officers Brett Ridgeman (Mel Gibson) und Anthony Lurasetti (Vince Vaughn) mit einem zu observierenden Verdächtigen allzu hart umspringen und sich dabei versehentlich filmen lassen, werden sie kurzerhand ohne weitere Bezahlung vom Dienst suspendiert. Dabei sind beide dringend auf ihre Liquidität angewiesen; Lurasetti, weil er sich just verloben will und einen allgemein kostspieligen Lebensstil pflegt und Ridgeman, damit er seiner kranken Frau (Laurie Holden) und der Teenagertochter (Jordyn Ashley Olsen) endlich den Wegzug aus ihrem immer weiter herunterkommenden Viertel ermöglichen kann. Auch der just aus dem Knast entlassene Henry Johns (Tory Kittles) benötigt dringend Geld – sein kleiner Bruder (Myles Truitt) sitzt im Rollstuhl, die Mutter (Vanessa Bell Calloway) ist gezwungen, sich zu prostituieren.
Ridgeman wählt derweil einen abseitigen Weg zur Geldbeschaffung: Über den mysteriösen Geschäftsmann Friedrich (Udo Kier) ermittelt er eine Adresse, die als Ausgangspunkt für einen größeren Coup fungieren soll. Gemeinsam mit Lurasetti beobachtet er die betreffende Wohnung ohne Unterlass, bis klar ist: Hier hat eine Gruppe Gangster unter dem Vorsitz eines gewissen Lorentz Vogelmann (Thomas Kretschmann) einen Bankraub in der Mache. Auch Henry entpuppt sich als einer der Ganoven. Nach dem durchgeführten Überfall gilt es nunmehr, den Räubern ihre Beute zu rauben…

S. Craig Zahler – mittlerweile der „bessere Tarantino“? Solche Kategorisierungen finde ich gemeinhin ja ziemlich spekulativ, doof und boulevardisch, aber es blitzte mir während der Betrachtung von „Dragged Across Concrete“ regelmäßig unwillkürlich durch die Synapsen. Man kommt bei Licht betrachtet um einen zwangsläufigen Vergleich der beiden Regisseure mittlerweile ja tatsächlich kaum mehr herum, obschon sie unter anderem knappe zehn Lebensjahre und immerhin fast zwei Dekaden als Filmschaffende trennen. Dennoch sind einige Parallelen und Analogien mehr denn offensichtlich: Beide eint eine klare Affinität zum exploitativen Genre- und Grindhousekino, die sich überdeutlich in ihrem jeweilen Œuvre widerspiegelt – sei es in Form des Gebrauchs oftmals überzogener, graphischer Gewalt; in der steten Reaktivierung vergangener, betagterer Kinogrößen oder im starken Hang zu 60s- und 70s-Sounds, der Tarantino mit sorgsam ausgewählten Song-Compilations Rechnung trägt, derweil Zahler neue Stücke für das klassische R’n’B-Trio O-Jays schreibt. Sowohl Tarantino als auch zahler befleißigen sich, jeweils beginnend mit der zweiten Regiearbeit, überdurchschnittlich langer Erzählzeiten, die sie an und über die Zweieinhalb-Stunden-Grenze hinaus tragen und lange Einstellungen, ausgedehnte Dialoge und besagte, pointierte Gewalteruptionen mit sich führen. Zahler, dessen Popularitätsgrad hierzulande allerdings noch längst nicht den Tarantinos erreicht hat, geht allerdings, insbesondere auf den letzteren Aspekt bezogen, deutlich radikaler zu Werke. Sein Ensemble bleibt sehr viel überschaubarer und von wenigen Protagonisten getragen; dazu weiß er zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch, mit den bärbeißigeren Überraschungen aufzuwarten. So kann es durchaus passieren, dass eine Figur vergleichsweise zeitaufwändig eingeführt wird, nur, um sie dann kurz darauf überaus brutal und ohne weiteres narratives Echo wieder aus dem Spiel zu nehmen. Wohin der Weg seine (Anti-)Helden zum Ende hin führt, lässt sich nunmehr auch tendenziell zuverlässiger bestimmen, jedenfalls zeichnet sich bereits eine diesbezügliche Tradition ab. Dass Zahler häufig eine über die Maßen hinausschießende coolness in seine Scriptführung einfließen lässt, empfinde ich stellenweise als redundant; auch, dass er zudem gern bewusste political incorrectnesses walten lässt, erscheint mir nicht eben notwendig. Der aus rein logischer Warte betrachtet ziemlich unbefriedigende Epilog nach dem ausgiebig zelebrierten Stand-Off-Szenario bietet zudem Diskussionsanlässe.
Abseits von alldem bleibt „Dragged Across Concrete“ unter seinem manchmal ziemlich dick aufgetragenen Make-up der befriedigende Drittfilm eines Regisseurs, dem vielleicht noch manche Großtat bevorsteht, wo sein etabliertes Pendant ja bereits beständig nach dem Ausgang schielt.

8/10

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