THE GREEK TYCOON

„Let’s go and make love!“

The Greek Tycoon (Der große Tycoon) ~ USA 1978
Directed By: J. Lee Thompson

Der griechische Großreeder und Multimillionär Theo Tomasis (Anthony Quinn) lebt ein Leben in Saus und Braus, mit Wein, Weib, Gesang und Sirtaki. Seine Gattin Simi (Camilla Sparv), die ihn über alles liebt, leidet im Stillen, sein Sohn Nico (Edward Albert) ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, in die übergroßen Fußstapfen des mächtigen Vaters zu treten und seinem heimlichen Hass auf die Eskapaden des Moguls. Als Tomasis die Amerikanerin Liz (Jacqueline Bisset) kennenlernt, die mit dem Politiker und künftigen US-Präsidenten James Cassidy (James Franciscus) liiert ist, ist es einmal mehr um ihn geschehen. Der Weg wird frei, als Cassidy einem Attentat zum Opfer fällt. Derweil muss sich Tomasis wegen einer Korruptionsaffäre mit der amerikanischen Kartellaufsicht herumschlagen.

Das ist schon toll: Nico Mastorakis, der sich neben Morton Fine die Story mit“ausgedacht“ hat, berichtete auf Anfrage, „The Greek Tycoon“ sei gar kein inoffizielles Biopic über Aristoteles Onassis und Jackie Kennedy, sondern eine Bestandsaufnahme der Lebensweise sämtlicher griechischer Tycoons. Ein Blinder mit Krückstock könnte Mastorakis diesbezüglich Lügen strafen: zwar findet sich die Geschichte um Onassis und die Kennedy-Witwe in die damalige Gegenwart transponiert, zwar gibt es keine Christina Tomasis, die das väterliche Imperium dereinst erben wird, zwar sind einige Ereignisse wie der Absturz des Sohnes und der Selbstmord der vormaligen Ehefrau nicht in der authentischen Reihenfolge angeordnet und andere Fügungen aufgeweicht respektive leicht abgeändert, das alles ändert aber nichts an dem Status des Ganzen als recht prallem roman à clef: Onassis‘ Langzeitaffäre Maria Callas wird zu einer Schauspielerin namens Sophia Matalas (Marilù Tolo) umfunktioniert, statt in Dallas wird der fiktive Präsident Cassidy (!) am Strand seines Wochenendhaus erschossen. Anthony Quinn, seit „Zorba The Greek“ ohnehin die Weltprojektion des typisch griechischen Lebemannes in der Hauptrolle hätte niemals von wem anderen substituiert werden können, so sehr ist ihm die Rolle auf den Leib geschrieben. Der Camp-Faktor ist hoch und der Film in seiner aufreizend boulevard-artigen Gesamtheit im Nachhinein ein unbedingtes Vorbild für die diversen amerikanischen Familienserien der kommenden Dekade von „Dallas“ über „Dynasty“ bis hin zu „Falcon Crest“. Wer wie ich für diese ein Herz hat und protzige alte Herren, die meinen, sie thronten wie Zeus persönlich über dem  Dache der Welt und könnten Blitze verschießen, wie es ihnen beliebt, auch nur ansatzweise sympathisch findet, der wird sich in dieser herrlichen Mär vom guten alten J. Lee sehr fix zu Hause finden, auch wenn „The Greek Tycoon“ ansonsten keineswegs das ist, was man reinen Gewissens als „guten“ Film bezeichen würde.

7/10

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