THE SUBSTITUTE

„Everybody works for money.“

The Substitute (Mörderischer Tausch) ~ USA 1996
Directed By: Robert Mandel

Nachdem er selbst und seine vierköpfige Söldnertruppe (Raymond Cruz, William Forsythe, Luis Guzmán, Richard Brooks) infolge ihres jüngsten Auftrags in Kuba im Stich gelassen wurden, ist der knüppelharte Jonathan Shale (Tom Berenger) erstmal arbeitslos. Zurück in Miami, muss er dann erleben, wie auf seine Freundin, die gestresste Lehrerin Jane (Diane Venora), ein Mordanschlag verübt wird, hinter dem offenbar einer von Janes Schülern, Juan Lacas (Marc Anthony) steckt. Kurzerhand lässt sich Shale als Vertretungslehrer „John Smith“ engagieren, der die Klasse der im Krankenhaus liegenden Jane übernimmt. Die Zustände an der Columbus High sind katastrophal: Echten Respekt genießen nur die wenigsten Lehrer, Gewalt und Drogenmissbrauch stellen den eigentlichen Stundenplan und die Kids tragen ihre Gangidentitäten mit in den Unterricht. Shale gelingt es dennoch, die Achtung „seiner“ Klasse zu gewinnen. Er berichtet von seiner Zeit in Vietnam und seiner eigenen Jugend im hiesigen Viertel. Doch da ist noch das faule Ei Lacas. Shale findet heraus, dass dieser gemeinsam mit dem Schulrektor Rolle (Ernie Hudson) hohe Positionen in einer florierenden Kokain-Connection bekleiden. Nach ersten Tiefschlägen gegen die Dealer spitzt sich die Situation zu. Glücklicherweise hat Shale noch seine alten Söldnerfreunde zur tatkräftigen Unterstützung in der Hinterhand…

„The Substitute“ ist einer der wenigen Belege dafür, dass der Actionfilm, wie er sich im vorangegangen Jahrzeht zu voller Blüte ausgeprägt hatte, noch nicht ganz dem Vergessen anheim gefallen war. Bereits die krude Handlungsprämisse – ein idealistischer Söldner lässt sich als Aushilfslehrer einstellen und verpasst seinem neuen Arbeitsplatz eine gehörige Grundreinigung – besitzt noch gänzlich das liebenswerte Flair goldener Genrezeiten. Der Schauplatz Florida zudem war stets für ein pittoreskes Feuerwerk gut und verbreitet auch mit „The Substitute“ noch jenen nostalgischen Reiz, schließlich ist da das von Berenger angeführte, mit wundervollen Charakterköpfen gespickte Personal, das mit Cruz, Guzmán und Forsythe sowie dem hier als seminolischen (!) Drogenbaron besetzten Rodney A. Grant nur gute Erinnerungen aufkommen lässt und diesen zum Glück auch keinerlei Schande macht.
Dass der sicherlich reaktionäre, aber dennoch stets sanft augenzwinkernde „The Substitute“ in Zeiten, zu denen aufklärerische, moralisch wertige Schulfilme mit positivistischem Menschenbild längst zum guten Ton in Hollywood gehörten („The Substitute“ wurde allerdings vom Indie LIVE Entertainment produziert) wenig kritisches Renommee für sich verbuchen konnte, entspricht erwartbarer Kausalität. Daraus, dass Mandels Film kein ausgesprochener Kandidat für den filmischen Friedensnobelpreis ist, braucht man ferner kein Geheimnis zu machen. Gerade wegen seiner rotzig-trotzigen Stellungshaltung als heimliches Denkmal unbeschwerterer Zeiten jedoch fällt es nicht schwer, diesen schönen Qualitätsklopper ins Herz zu schließen.

7/10

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