NOMADS

„Did you ever have a dream and not know when it started?“

Nomads ~ USA 1986
Directed By: John McTiernan

Ein verwirrt scheinender, stark verletzter Mann namens Jean Charles Pommier (Pierce Brosnan) wird in die Notaufnahme einer Klinik in L.A. eingeliefert und von der übermüdeten Ärztin Eileen Flax (Lesley-Anne Down) behandelt. Pommier parliert seine letzten Sätze ausschließlich in französischer Sprache und stirbt, nachdem er Eileen kurz zuvor noch eine Schnittwunde zugefügt hat. Fortan durchlebt diese Pommiers letzte Tage in Form von Flashbacks und findet heraus, was ihn getötet hat: Pommier war Anthropolge und einer im Untergrund lebenden Gruppe von Stadtnomaden auf der Spur, hinter deren Identitäten sich geheimnisvolle Inuit-Dämonen verbergen. Deren unangenehme Bekanntschaft macht bald auch Eileen, die unterdessen Kontakt zu Pommiers  Witwe (Anna Maria Monticelli) aufgenommen hat.

Ich hatte McTiernans Regiedebüt bis dato verpasst und mich insofern durchaus auf die lang erwartete Erstbetrachtung gefreut. Leider hat diese mich mittelmäßig enttäuscht zurückgelassen. Von dem in den kommenden Jahren mehr und mehr perfektionierten Händchen des eigenwilligen Regisseurs für aufgeräumte und konzentriert-pointierte Spannungsmomente ist hierin noch nichts zu spüren. Möglicherweise liegt dies vornehmlich im von McTiernan selbst verpassten Script begründet. „Nomads“ stellt eher eine weithin unausgegorene Melange aus lyncheskem Vexierspiel und konfusem storytelling dar, angesichts dessen sich dahinschleppender Entwicklung man irgendwann schlicht resigniert, ermüdet und zwangsläufig das Interesse verliert. Die drei in den Vordergrund gestellten Charaktere, also Pommier, seine Gattin und vor allem die unfällig in den Ereignisstrudel gerissene Eileen Flax evozieren kaum Empathie und bleiben dem Rezipienten weithin gleichgültig; die merkwürdigen Titelfiguren, über deren Motivation man im Grunde nichts erfährt, bewegen sich in einem  fortwährend nebulösen Aktionsrahmen und verlieren somit eine Menge ihrer offensichtlich avisierten Bedrohlichkeit. Viel Rauch um Nichts. Man hätte aus der durchaus  Plot-Prämisse bestimmt weitaus Mitreißenderes destillieren können, als das, was sich hier letzten Endes vor dem Auge des Zuschauers entfaltet. Ein wenig hat mich „Nomads“ zum Einen an Pupi Avatis unheimlichen und ungleich grandioseren Wiedergänger-Film „Zeder“ erinnert sowie zum Anderen an den im selben Jahr entstandenen, zwar um Einiges billigeren, aber dennoch deutlich affizierenderen „Neon Maniacs“ erinnert, der mit einer nicht unähnlichen Geschichte hausieren geht, diese jedoch in einem deutlich weniger bedeutungsschwangeren und daher letztlich auch um Einiges spaßigeren Rahmen fortschreibt.
Über „Nomads“ kann man fürderhin lesen, dass es sich um ein „urban horror movie“ handele. Nachdem ich mit dem Begriff zunächst nichts Rechtes anzufangen wusste, kamen mir bald (teils deutlich) prägnantere Werke wie „Wolfen“„The People Under The Stairs“ oder „Candyman“ in den Sinn. Sollte sich McTiernans Film revisionistisch tatsächlich in einer thematischen Reihe mit diesen durch die Bank schönen, finsteren Großstadtmärchen für Erwachsene wähnen (lassen), so verliert er dann doch big time gegen sie. Ich werde mir „Nomads“ langfristig wohl dennoch ein weiteres Mal ansehen, weil ich mein jetziges Nichtgefallen in Anbetracht der eigentlich nicht zu verachtenden, äußeren values des Films selbst noch nicht recht glauben mag. Sollte ich dann zu einer eminent anderen Einsicht gelangen, melde ich mich zurück.

4/10

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