COCKTAIL

„America, you’ve just been devoted to every flavor I got, but if you want to got loaded – why don’t you just order a shot?“

Cocktail ~ USA 1988
Directed By: Roger Donaldson

Frisch vom Militär entlassen, führt den ebenso selbstbewussten wie lebenshungrigen Brian Flanagan (Tom Cruise) sein erster Weg nach New York, wo er glaubt, dass Dreistigkeit und gutes Aussehen ihn bereits für ein veritables Yuppiedasein qualifizieren. Doch die harsche Realität sieht anders aus – ohne Studium oder Ausbildung gibt es auch keinen Bürojob. Also heuert Brian als Bartender in einer angesaften Bar an und lernt von seinem neuen Mentor Doug (Bryan Brown) in rasanter Geschwindigkeit alle Kniffe und Tricks des Jobs. Weniger erfolgreich ist er als Uni-Freshman; die höhnischen Bemerkungen seiner Professoren kontert er nicht minder schnippisch und kassiert die entsprechenden Noten. Seine wahre Berufung, das erkennt Brian nun, liegt in einer Karriere als Cocktailmixer. Doch aus dem Traum von einem gemeinsamen Laden mit Doug wird nichts, weil dieser es vorzieht, Brian die Untreue seiner versnobten It-Liebschaft Coral (Gina Gershon) zu veranschaulichen, indem er sie kurzerhand selbst flachlegt. Erbost jettet Brian nach Jamaika und jobbt dort in einer Strandbar, wo er die reizende Jordan (Elisabeth Shue) kennenlernt und sich in sie verliebt. Doch Brian muss nach wie vor erst noch lernen, erwachsen zu werden…

Wer nix wird, wird Wirt (alle ebentuell mitlesenden Gastronomen mögen mir dieses spitzfindige Bonmot verzeihen): Sein unauslöschliches Timbre als Zeitdokument atmet Roger Donaldsons „Cocktail“ bereits akut in der Font-Gestaltung seiner Titelsequenz – leuchtende Bar-Neonschrift bereitet das Publikum umfänglich auf die kommenden 100 Minuten Spätachtziger-Coming of Age vor. Der damals bereits zum Superstar und Sexsymbol avancierte Cruise subsummiert in seiner Figur als nicht allzu cleverer, irischstämmiger Dickkopf quasi nochmal sämtliche Erfolgsrollen der unmittelbaren Vorjahre, in denen er stets den schönheitsverwöhnten, inseltalentierten Hallodri gab, der seine wirklich eminenten Lebenslektionen wahlweise erst durch ältere Vaterfiguren oder durch herbe Schicksalsschläge, die sein jeweiliger Charakter indirekt verursachte, zu lernen hatte, um erst hernach auf dem verantwortungsvollen Pfad ehrfüchtiger Tugendhaftigkeit wandelnd sein weiteres Leben begehen zu können. Das kindhaft-arrogante Wesen seiner diversen so selbstgerechten Sonnyboys wich dann am Ende stets einem stabilen, erwachsenen alter ego, das nunmehr bereit war für die wesentlichen, amerikanischen Werte: Karriere, Beziehungsreife, Familiengründung.
„Cocktail“, der den entsprechenden Werdegang auf die üblich naive Erfolgsgeschichtenart konstruiert, wählt als Milieugrundierung das knallharte Business der Barkeeper und Cocktailmixer – für ein vollständiges urbanes Bild bekanntermaßen mindestens so wichtig wie Verkehrspolizisten, U-Bahn-Netze und öffentliche Toiletten. Auch in dieser Berufssparte, das versichert uns der Film gleich zu Beginn durch die putzige Kontrastierung mit Brians Onkel Pat (Ron Dean), der seit Ewigkeiten eine gleichermaßen bescheidene wie rustikale Oppa-Kneipe in Queens bewirtschaftet und jeden Cent zweimal umdrehen muss, ist nicht gleich jedermann zu Höherem geboren. Es sei denn eben, er sieht aus wie Tom Cruise, hat einen exzellenten Zahnarzt und serviert seine bunten Drinks in Verbindung mit improvisierter Barpoesie. Dummerweise kann Brian Flanagan auch jedes (weibliche) Wesen haben, das er will – eine Qualität, die sein Mentor Doug Coughlin, eine Art falsch abgebogene, ältere Version Brians, ihm zuvor noch als beruflich existenziell verordnet hatte. Eine gute Thekenkraft muss eben auch mal Gigolo sein können. Dass dies allerdings auf Sicht nicht glücklich machen kann, lernen sowohl Doug als auch Brian auf die harte Tour – letzterer nimmt sich schließlich gar frustriert das Leben, dessen er nie wirklich Herr zu werden vermochte. Die denkbar nachhaltigste Warnung für Brian, der erst jetzt erkennt, was wirklich entscheidend ist, nämlich die Frau, die man aufrichtig liebt (und die nebenbei bereits schwanger ist sowie noch ihrer eigenen, familiär geprägten Park-Avenue-Bonzensphäre zu entsagen hat) und eine eigene, schicke Kneipe, bezeichnend „Cocktails & Dreams“ getauft. Flankiert wird dieses Sommermärchen von Dean Semlers wohltemperierter, schöner Photographie, ansprechend karibischem Flair im Mittelteil und natürlich einer eigens komponierten Beach-Boys-Comeback-Single. Wohlan!

6/10

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