WHITE SANDS

„This isn’t about sides. This is about confusion. This is about creating enemies where there aren’t any.“

White Sands ~ USA 1992
Directed By: Roger Donaldson

In Torrance County, New Mexico werden im Bezirk des braven Kleinstadt-Deputys Ray Dolezal (Willem Dafoe) eine männliche Leiche und ein Koffer mit einer halben Million Dollar Cash gefunden. Ray, dessen Abenteuergeist geweckt ist, schickt sich an, auf eigene Faust das sich auftuende Rätsel um beides zu lösen und gerät unversehens in einen Intrigenstrudel, in dem korrupte Geheimdienstler, Waffenhändler und eine schöne Millionärin (Mary Elizabeth Mastrantonio) sich gegenseitig zu übervorteilen versuchen.

Dass der gebürtige Neuseeländer Roger Donaldson ein Filmemacher ist, der seine Arbeiten stets gern unter besonderer Berücksichtigung phasenabhängiger Stilmodi inszenierte, macht auch „White Sands“, sein neuntes Werk, sehr deutlich. Der Narration des wohlfeil mit dem neo noir liebäugelnden, übergebührlich kompliziert erzählten Wüstenkrimis zu folgen, ermüdet indes rasch und erweist sich auch als relativ nebensächlich für die qualitative Einordnung des Films. Auch Donaldson scheint bereits während der Fertigung um diese Lässlichkeit geahnt zu haben und überließ „White Sands“ somit vor allem anderen Maßgaben: Als geschlossene Regiearbeit ist er von höchster formaler Integrität, als Happening für seine erstklassige Besetzung überzeugt er nicht minder. Ferner sind es die immer wieder hervorstechenden Chiffren und Subtexte, die das Hin und Her zwischen den agencies nebst ihren abtrünnigen und/oder inoffiziellen Mitarbeitern eher unsubstanziell erscheinen lassen: Genau diese exotisch scheinende Unübersichtlichkeit, das von der Öffentlichkeit rigoros abgschottete, längst eigenen Regeln folgende Milieu der US-Geheimdienste karikiert „White Sands“ nämlich mit einem wohlweislichen Augenzwinkern. Inoffizieller Waffenhandel, Militärberatung und Korruption verkleistern sich zu einem kaum mehr durchschaubaren Sumpf. Wenn dann inmitten des Films noch eine groteske Rodeoszenerie, im Zuge derer eine überkandidelte Sängerin (Meredith Marshall) in höchsten Tönen „The Star-Spangled-Banner“ schmettert und die Flagge dazu berittenerweise durch die Arena weht, dann ahnt man, was der Film wirklich im Sinn haben könnte.
Nachdem ich Mickey Rourkes zumindest mental ungebrochen großer Könnerschaft erst letzthin noch mit fasziniertem Entsetzen in Matt Earl Beesleys Actionfarce „Point Blank“ beiwohnen durfte, war ich angesichts seines noch im „früheren Rourke-Universum“ verankerten Auftritts als freidrehender CIA-Mann Gorman Lennox gleich noch ein wenig betrübter in Anbetracht seiner späteren Veränderung. Hier in „White Sands“ ist er auch äußerlich noch ganz das brillante Ein-Mann-Kunstwerk, das man aus seinem Karrierehoch in den Achtzigern schätzt und liebt, eine universelle Coolness transportierend, die nach ihm kein Schauspieler mehr auch nur annähernd in dieser Form erreichte. Obschon er in Donaldsons Film nur vergleichsweise wenige Szenenauftritte absolviert, reißt er jeden einzelnen davon komplett an sich und überstrahlt das gesamte übrige Ensemble geradezu mühelos. Welch ein wunderbarer Künstler war dieser Mensch doch einst.

7/10

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