DANTE’S PEAK

„A man who looks at a rock must have a lot on his mind.“

Dante’s Peak ~ USA 1997
Directed By: Roger Donaldson

Seit der Vulkanologe Harry Dalton (Pierce Brosnan) seine Partnerin (Walker Brandt) bei einem Ausbruch in Kolumbien verloren hat, stürzt er sich in die Arbeit. Sein aktueller Auftrag führt ihn in die beschauliche Kleinstadt Dante’s Peak, Washington, wo um einen vermeintlich ruhenden Vulkan seismische Aktivitäten registriert wurden. Ein schrecklicher Touristenunfall bei den beliebten heißen Quellen vor Ort versetzt Dalton, der sich zaghaft mit der alleinstehenden Bürgermeisterin Racel Wando (Linda Hamilton) befreundet, in höchste Alarmbereitschaft. Doch sein nebst Team anreisender Chef Paul Dreyfus (Charles Hallahan) hält Daltons Befürchtungen für grundlose Spekulation und verhindert sogar dessen Bestrebungen, für eine im Ernstfall geregelte Evakuierungsstrategie zu sorgen. Doch der Vulkan meint es ernst, wie sich nur wenige Tage später zeigen wird…

Zwei Jahre nach „Species“, seinem bis dato einzigen Zwischenspiel im Horror-/SciFi-Genre, inszenierte Donaldson ein weitere großbudgetierte Auftragsarbeit, diesmal für Universal. „Dante’s Peak“ zählt neben anderem auch zu jener seltenen Spezies Film, die quasi als Dublette auftraten, weil zwei Produzenten bzw. Studios auf wundersame Weise zeitgleich dieselbe Idee für ein erfolgsversprechendes Konzept entwickelten, um dann ihre jeweiligen Resultate in (un-)mittelbare Box-Office-Konkurrenz zu stellen. Das in diesem Fall dazugehörige Gegenstück bildet Mick Jacksons „Volcano“, von der Fox nur zwei Monate später ins Rennen geschickt. Vulkanausbrüche als Prämisse für mehr oder weniger spektakuläre Katastrohenfilme ploppen bereits seit Jahrzehnten Filmhistorie immer mal wieder auf, sei es im Kino, oder, sehr viel häufiger, im Zuge billiger Fernseh- und DTV-Produktionen. Dabei gerieren sie meist zu eher campigen Veranstaltungen, wobei just jenes Element der Gattung disaster movie ja ohnehin wesenhaft inhärent ist. Dennoch liebäugeln die meisten Vulkan-Filme nochmals auf eine ganz besondere Art mit jener speziellen Lustbarkeit des Abjekten, man denke etwa an James Goldstones „When Time Ran Out…“, der gewissermaßen gleich noch das golden age des Siebziger-Katastrophenfilms zu Grabe trug.
„Dante’s Peak“ bildet diesbezüglich keine Ausnahme. Vor allem ist der Film insofern ein Zeugnis des bravourösen Könnens seines Regisseurs. Donaldson, der bereits bei „Species“ durchweg um den hölzernen Charakter seines Scripts gewusst zu haben scheint, pfeift auch im vorliegenden Fall völlig auf die immer groteskere Abzweigungen nehmende Dramaturgie und macht das denkbar Bestmögliche aus seinem Film: Eine reuelose Achterbahnfahrt durch sämtliche Unwahrscheinlichkeiten, die im Zusammenhang mit einer solch bereits von Haus aus absurden Geschichte wie der von „Dante’s Peak“ überhaupt nur rekurrieren können. Der haarsträubenden Ereignisse und Wendungen gibt es allzu viele, um sie an dieser Stelle auf- und auszuführen , aber selbige spielen im Endeffekt auch ohnehin bloß eine völlig untergeordnete Rolle. Der Film hat wesentlich mehr von einer mitunter ziemlich schwarzhumorigen Achterbahnfahrt, im Zuge derer es gilt, mit einem Metallboot über eine See zu kommen, dessen Wasser sich in Schwefelsäure verwandelt hat, mit einem gummibereiften Jeep einen Lavastrom zu durchqueren, oder wider alle physikalischen Wahrscheinlichkeiten nicht von Tonnen von Geröll zerquetscht zu werden. Der lustige Mischlingshund und Liebling der natürlich nur Unbill verursachenden Kinder (Jeremy Foley, Jamie Renée Smith) Rocky muss alles überleben, die ehrfuchtlosen Skeptiker, darunter die störrische Großmutter (Elizabeth Hoffman) kommen durch die Bank auf spektakuläre Weise um. Aber jetzt gerate ich doch ins Schwafeln.
Die Inszenierung all jener dazugehöriger Actionsequenzen jedenfalls, so herzensdämlich sie sich unter rationalen Gesichtspunkten auch auspolstern mögen, nimmt Donaldson durchaus ernst und formt seinen behende auf dem schmalen Grat zwischen törichter Albernheit und Suspense-Meisterwerk taumelnden Film zu einem veritablen nailbiter, der im Akkord Spannungsregionen erreicht, von denen Berufskollegen bestenfalls träumen können. „Volcano“ wird in Kürze noch einer Vergleichsstudie unterzogen werden müssen.

8/10

3 Gedanken zu “DANTE’S PEAK

  1. „Dante’s Peak“ zählt neben anderem auch zu jener seltenen Spezies Film, die quasi als Dublette auftraten, weil zwei Produzenten bzw. Studios auf wundersame Weise zeitgleich dieselbe Idee für ein erfolgsversprechendes Konzept entwickelten, um dann ihre jeweiligen Resultate in (un-)mittelbare Box-Office-Konkurrenz zu stellen. Das in diesem Fall dazugehörige Gegenstück bildet Mick Jacksons „Volcano“

    Lustigerweise gab es mit STROMBOLI / VULCANO schon mal so eine Dublette mit zwei Vulkanen. Wobei diese durch Rossellinis abgelegte Ex-Geliebte Anna Magnani und seine aktuelle Geliebte Ingrid Bergman in der jeweiligen Hauptrolle noch eine spezielle Note erhielt, die über Konkurrenz zweier Studios weit hinausging und schon bei den Dreharbeiten für viel Medienrummel sorgte.

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  2. Sehr schöner Querverweis, danke dir! Sollte bei Gelegenheit auch mal nachgeholt werden, „Vulcano“ wäre dann allerdings noch zu beschaffen (Dieterle aber eh immer super)…

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