SINGLE WHITE FEMALE

„That’s just so New York.“

Single White Female (Weiblich, ledig, jung sucht…) ~ USA 1992
Directed By: Barbet Schroeder

Ein heftiger Streit mit ihrem Freund Sam (Steven Weber) führt die New Yorkerin Allison (Bridget Fonda) zu der relativ spontanen Entscheidung, betreffs einer Mitbewohnerin für ihr Appartement zu annoncieren. Diese findet sich schließlich in der unkompliziert scheinenden Hedy (Jennifer Jason Leigh), mit der Allison bald eine enge Freundschaft verbindet. Doch irgendwann steht die Versöhnung mit Sam an, was zwangsläufig bedeutet, dass Hedy das Feld räumen muss. Allison kann nicht ahnen, dass ihre Wohnungsgenossin unter einem tief verwurzelten Schuldkomplex und einer damit einhergehenden Persönlichkeitsstörung leidet. Diese äußert sich angesichts der für Hedy unerträglich werdenden Situation in immer heftigeren aggressiven Schüben…

Das Faszinierendste an Barbet Schroeder ist neben seinem schon als kosmopolitisch zu bezeichnenden Werdegang die Heterogenität seines Œuvres als Filmemacher. Dieses reicht von außergewöhnlichen Dokumentationen über Experimentelles und international entstandene Filme abseits des kommerzorientierten Mainstream bis hin zum konventionellen Hollywood-Thriller. Einer der erfolgreichsten Filme letzterer Gattung ist sein feministischer New-York-Film „Single White Female“, der sich im Hinblick auf sein Sujet zumindest auf den ersten Blick auch recht gut bei Polanski, De Palma oder Lumet verorten ließe, dessen formeller Stil und Charakterisierungsstrategien jedoch andere Wege beschreiten. Zwar evoziert das Script mit fortlaufender Entwicklung – trotz allem handelt es sich immer noch um waschechten Suspense – sich gegen Hedy richtende Angst- und Hassgefühle beim Publikum, dennoch bewahrt es stets einen humanen Rest Empathie, der dafür sorgt, dass Hedy trotz der von ihr ausgehenden Gefahr nie zum vollendeten Filmmonster avanciert, sondern stets ein letzten Endes bemitleidenswertes, unverstandenes und tragischerweise untherapiertes Individuum bleibt, das sehr viel frühere aktiverer Hilfestellung bedurft hätte, um seinen psychotischen Anwandlungen präventiv begegnen zu können. Gerade diese Crux, also das emotionale Wechselbad zwischen der Furcht vor der unkontrollierten Zügellosigkeit auf der einen und dem Wunsch nach professioneller Hilfestellung andererseits macht den Film wesentlich mehrdimensionaler als viele andere Vertreter seiner Gattung; man denke nur etwa an die etwa zeitgleich entstandenen „Pacific Heights“ von John Schlesinger und „The Hand That Rocks The Cradle“ des just verstorbenen Curtis Hanson, die jeweils ebenfalls den Einbruch des Irrationalen in kontrolliert geglaubte, bourgeoise Alltagswelten thematisieren, sich jedoch bewusst damit begnügen, die aufziehende Nachtschwärze als reine Unheilssymbole zu figurieren. Ich möchte mutmaßen, dass Schroeder sich damit nicht begnügt hätte, wenngleich vor allem Momente wie der, in dem Hedy durch aktive Fahrlässigkeit (oder Schlimmeres, das bleibt offen) den Tod des zuvor noch gehegten Welpen (poor Buddy!) verursacht, zumindest mich als Hundemann die Wände hoch gehen lassen.
Doch auch als Porträt eines auf eher unsympathische Weise „verhipten“ Manhattan (Hauptdrehort ist das überaus schicke Ansonia Hotel in der Upper West Side) sowie der nach wie vor akuten Probleme karriereorientierter Frauen, sich in einer von – keinesfalls immer fair agierenden – Männern dominierten Wirtschaftsenklave behaupten müssen, punktet Schroeders schön zeitgemäßes Werk. Ein Gewinner!

8/10

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