THE MAN FROM HONG KONG

„Improve your colour palette!“

The Man From Hong Kong (Der Mann von Hongkong) ~ AUS/HK 1975
Directed By: Brian Trenchard-Smith


Um den des Drogenhandels verdächtigen Chinesen Win Chan (Sammo Hung) zum Reden zu bringen, wird der knallharte Hong Konger Inspektor Fang Sing Leng (Wang Yu) nach Sidney eingeflogen. Fang prügelt Chan den Namen „Wilton“ aus dem Kiefer, womit der Verhaftete sein Todesurteil unterschreibt: Auf seinem Weg zum Gericht wird Win Chan von einem Attentäter erschossen. Fang findet heraus, um wen es sich bei Jack Wilton (George Lazenby) handelt: Einen Syndikatsboss mit zweifelhaftem Leumund, der sein Vermögen durch allerlei kriminelle Aktivitäten angehäuft hat. Während seine australischen Partner (Roger Ward, Hugh Keays-Byrne) Fangs Alleingänge mit einiger Sorge beobachten, kämpft der Chinese sich gnadenlos durch bis zum Oberboss.

In diesem raren Exempel einer Hong-Kong-/Australischen Coproduktion wurde versucht, den damals auf dem internationalen Markt heiß gehandelten Martial-Arts-Star Wang Yu zu einem fernöstlichen James Bond zu stilisieren. Inspektor Fang Sing Leng gehört einer Spezialeinheit der Polizei an, ist ein versierter Meister unterschiedlicher Kampfstile und verbeißt sich in sein ausgesuchtes Ziel wie ein tollwütiger Straßenköter. Die weltmännische Eleganz seines britischen Vorbilds mag Wang Yu etwas abgehen, dafür ist er ein kaum minder viriler Beischläfer, dem die Damen ohne große Worte bereitwillig ins Bettgemach folgen und wesentlich unempfindlicher, was körperliche Blessuren angeht. Der eigentliche Clou des Films bestand natürlich darin, Einmal-Bond George Lazenby als Superbösewicht und somit Wang Yus Antagonisten zu besetzen. Für die Rolle des brutalen und – natürlich – rassistischen Heroinschiebers Jack Wilton trainierte sich Lazenby sogar ein paar Kung-Fu-Moves an, die er an drei, vier Stellen des Spektakels vorführen darf. Dass er im direkten Duell auch nur die mindeste Chance gegen seinen Widersacher hätte, glaubt man allerdings zu keiner Sekunde und so endet er, wie ein Sauhund wie er es verdient: Mit einer explodierenden Handgranate zwischen den Zähnen.
„The Man From Hong Kong“ besitzt noch viele weitere Reize und reizvolle Elemente; allem voran sicherlich die eigentlich zwingende, filmische Parallelisierung der beiden pazifischen Kronkolonien Hong Kong und Australien. Es gibt beachtlich kompetent gefertigte Verfolgungsjagden zu Fuß und per Kraftfahrzeug, pittoreske Drachenflug-Sequenzen über den jeweiligen Landesmetropolen und mit Ward, Keays-Byrne und dem bassett-gesichtigen Frank Thring gleich drei spätere „Mad-Max“-Darsteller, wobei besonders der wildwüchsige Wolfsjunge Hugh Keays-Byrne, der sich bereits in Sandy Harbutts verpflichtenden Rockerepos „Stone“ als unverzichtbar erwies, als Lotterbulle Morrie Grosse für Einiges an Spezialgelagertem verantwortlich zeichnet. Selbst ein Schuss Romantik, der im Prinzip lediglich als dramaturgische Steilvorlage für eine zusätzliche Rachemotivation Wang Yus fungiert, fehlt nicht. Synchronenthusiasten werden ferner die buchstäblich unüberhörbare Nonchalance von Arne Elsholtz‘ Berliner Qualitätsarbeit zu lobpreisen wissen, wobei sich neben den vielen anderen Stimmhelden besonders Harald Juhnke auf George Lazenby über die Jahre zu einem wahren Spartenklassiker gemausert hat. Die diversen Holzhammergags der ewigen Marke ‚Chinesen und Reis‘ könnte man in dieser laxen Form heuer auch nicht mehr bringen.

8/10

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