LA RESIDENCIA

Zitat entfällt.

La Residencia (Das Versteck) ~ E 1969
Directed By: Narciso Ibáñez Serrador

Die vertrocknete Madame Fourneau (Lili Palmer) betreut im späten 19. Jahrhundert mit eiserner Hand ein abgelegenes, französisches Internat für renitente Mädchen zwischen 15 und 21 Jahren. In ihrem Hause sollen sich die jungen Damen der traditionellen Gepflogenheiten ihres Geschlechts erinnern und, im besten Falle wieder „gerade gebogen“ der Gesellschaft zurück übergeben werden können. Seit Jüngstem verschwinden von Zeit zu Zeit jedoch immer wieder Elevinnen, was Madame Fourneau kurzerhand mit deren Flucht heimwärts abtut.
Die just im Internat angemeldete Teresa (Cristina Galbó) bekommt somit bald nicht nur die sadistischen Obsessionen ihrer älteren Mitschülerin und Madame Fourneaus Erfüllungsgehilfin Irene (Mary Maude) zu spüren, sondern auch die grausame Realität hinter den altehwürdigen Mauern.

Serradors Kleinod bedient die absolute Königsklasse innerhalb der quantitativ verhältnismäßig begrenzt bestückten Gruppe des Internats- und Privatschul-Subgenres, zumal sich nachfolgende, berühmter gewordene Epigonen wie etwa Peter Weirs „Picnic At Hanging Rock“ gewiss auch von der staubig-berückenden Atmosphäre von „La Residecia“ inspiriert haben lassen dürften.
Aus der Gattungstypologie weiß man, dass Internate stets einem streng hierarchischen System unterliegen, an dessen Spitze eine zwischen Altehrwürdigkeit und Despotismus changierende Leitung steht. Diese findet sich in der Regel gefolgt von Lehrkörper und Hauspersonal. Eine weitere gehobene Stellung nehmen dann jene SchülerInnen ein, die es verstehen, sich ihre opportunistische Natur – möglicherweise als Überlebensstrategie – zunutze zu machen, indem sie wahlweise mit dem Rektoriat paktieren oder sich mit gleichgesinnten Mitschülern zu einer starken, oftmals tyrannisch auftretenden Allianz verbinden. Die im Regelfalle affirmativ-gehorsame Schülerschaft bildet dann den größten Teil des Sozialgefüges, an dessen unterstem Ende dann oftmals körperlich schwache und/oder besonders sensible Außenseiter stehen, die den ganzen Druck von oberhalb zu spüren bekommen. Jene Grundzüge finden sich im Wesentlichen auch bei Serrador wieder, der für seine Geschichte nicht nur eine wunderbar diesig-marode Herrenhauskulisse gefunden hat, sondern sein Ensemble auch gleich noch um einen verstörten jungen Mann, den Sohn (John-Moulder Brown) der Rektorin nämlich, ergänzt hat. Dessen sonderbare Beziehung zu seiner Mutter, die von einem wiederum dominanten, bizarren Matriarchatskomplex bestimmt ist, führt schließlich die Katastrophe herbei. Dabei gelingt Serrador der Spagat zwischen höchst stilbeflissenem, gotischem Horrorkino und historisch gefärbter, emotionaler Dramatik, ohne jemals in vordergründig-geschmacklose Exploitationniederungen zu verfallen. Der dringlich geheimgehaltene, mit einiger Genrekenntnis jedoch relativ vorhersehbare Ausgang fällt da nicht weiter negativ ins Gewicht.

8/10

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